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Ignaz Reimann - eine neue Chance der
Kirchenmusik für Polen,
Tschechien und Deutsche.
Die Wiederentdeckung des schlesischen
Komponisten und Lehrers Ignaz Reimann (1820-1885) findet seine aktuelle
Bedeutung in der Beendigung der Nachkriegszeit und der bevorstehenden
Erweiterung des neuen Europas zum Osten hin. Dieser Spannungsbogen von
Vertreibung und Neuentdeckung läßt Spuren und Chancen zu, die ihn wieder
zurückkehren lassen in seine geliebte Heimat in Niederschlesien. Er war
mit seinen ca. 800 kirchlichen Werken überall Zuhause in Schlesien und
der grenzüberschreitenden Regionen. Er war somit bekannt in der Kirchenkultur
und tief verwurzelt in der Gläubigen Bevölkerung.
Seine Kompositionen gingen schnell ins Gehör und waren geprägt von Heiterkeit
und echter Volkstümmligkeit. Durch den Krieg ist diese Kultur folgerichtig
auch vertrieben worden, sodaß die Hinterlassenschaft am Orte verschwand.
Nur die Flüchtlinge und Heimatvertriebenen konnten seine bekanntesten
Werke im Geiste noch mitnehmen und sie so teilweise hinüberretten in ihren
neuen Lebensraum. So gibt es heute noch bundesweit zahlreiche Kirchenchöre,
die Ignaz Reimann in ihr Repertuar aufgenommen haben. Aber diese Überbringergeneration
ist alt geworden und stirbt zusehends aus.
Der eigentliche Kulturträger wird somit bald weggefallen sein. Gleichzeitig
ist jedoch bei dem heutigen schlesischen Polen eine neue Identitätssuche
zu beobachten. Schließlich leben auch diese ehemaligen Flüchtlinge (aus
Ostpolen) in der dritten/vierten Generation dort. Also wächst zusehends
das Interesse an der örtlichen Geschichte in ihrer neuen Heimat, sodaß
auch bei ihnen die Zeit gereift ist, alte bzw. neue Kulturgüter dieses
Landes zu erkennen und aufnehmen zu wollen, um sie so auch in die Herzen
der dortigen Bevölkerung einfließen lassen zu können. Die Chance der Übergabe
dieses Vermächtnisses ist somit zeitaktuell gegeben.
Hier bietet sich Ignaz Reimann für den kirchlichen Bereich besonders gut
an, da er im bekannten Wahlfahrtsort Albendorf, jetzt Wambierzyce geboren
wurde und dort bis zur seiner Berufstätigkeit sich auch verwirklichen
konnte in der von ihm so geliebten Kirchenmusik in der Basilika.
Der seit dem 13 Jh. überregionaler Begegnungsort von tausenden von Betern
und Pilgern hat in seiner verschwiegenen Lage immer schon die drei Nationen
der Deutschen, Polen und Tschechien zusammengeführt zwischen Wien -Prag
und Breslau und Berlin -Dresden und Oberschlesien..
Durch die neuen politische Verhältnisse seit den neunziger Jahren kann
dieser Auftrag wieder aufgegriffen werden und lässt sich bereits in guten
Ansätzen verwirklichen durch mehrsprachige Gottesdienste und Begegnungen
dieser drei Nationen. Hierbei stellt sich die Kirchenmusik als ein sehr
geeignetes Medium dar, in dem sich Chöre dort treffen und über die Musik
sich austauschen. Dabei kann Ignaz Reimann die tragende Verbindung darstellen,
in dem seine Musik im jeweiligen Heimatland eingeübt, mitgebracht und
vorgeführt wird.
Ein Sprachproblem gibt es hierbei nicht, da all seine Werke in lateinischer
Sprache verfaßt sind.
Für das bevorstehende neu zu erweiternde Europa nach Osten hin hat Ignaz
Reimann insofern für die Völkerverständigung eine zeitaktuelle Aufgabe
erhalten.
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